Anspiel Kreuz und quer 20.2.2000
Personen: Maskenhändler, Verschiedene Kunden
Regieanweisung: Im Vordergrund ein Tisch. Hinter dem Tisch ein Regal, auf dem einige Masken liegen.
Maskenhändler: (telefoniert) Ich
brauche dringend neue Masken. Noch diese Woche. Die Leute rennen mir die Bude
ein. Zur Zeit ist es echt Wahnsinn, was die Leute für Masken brauchen.
Unsere Werbeaktion "Versteck dein wahres Gesicht" zeigt volle Wirkung.
Wir haben ja auch alle Register gezogen. Tageszeitung, Radio Donauwelle,
Internet. Ja, ja, scheint so, keiner will
mehr sein
wahres Gesicht zeigen. Wie? Klar, machen wir alle so. (Pause) Naja, 500
Stück auf jeden Fall. Jaja, von jedem etwas. Die "Ich bin immer gut
drauf" - Maske geht zur Zeit am besten. Von der ein paar mehr wie sonst.
Das Grinsen von der Maske ist fast täuschend echt. Ich setze sie auch ganz
gern mal auf. Also, alles klar? Ist gut, ich faxe Ihnen die Bestellung noch durch.
Kunde 1: Ich hätte gerne eine
Maske für einen Verwandtenbesuch. Es handelt sich um eine alte Dame. Sie ist sehr reich.
Wahrscheinlich lebt sie nicht mehr lange. Ähm, Sie verstehen
schon?
Maskenhändler:
Natürlich, solche Masken verkaufen wir sehr häufig. Für
reiche Erbtanten empfehlen wir diese Maske. Wir haben
nur positive Rückmeldungen.
Kunde 1: Kostet?
Maskenhändler:
1998 DM.
Kunde 1: Was, so teuer? Das bringt mir die ganze Erbschaft nicht
ein!
Maskenhändler: Da hätte ich noch ein
Vorkriegsmodell. Geht aber immer noch gut. Wirkt besonders auf manche ältere Damen. Die
letzte Maske dieser Art. Ich gebe Sie Ihnen für 298 DM.
Kunde 1: Vorkriegsmodell ist gut.
Paßt zu meiner Tante. Ist furchtbar altmodisch. Und der Preis ist auch
okay. Ich nehme Sie.
Maskenhändler: Soll ich
Sie Ihnen einpacken?
Kunde 1: Nein, ich setze sie gleich auf. Hier das Geld,
passend. Auf Wiedersehen
Maskenhändler: Auf Wiedersehen. Danke
schön.
Kunde 2: Also ich habe heute abend ein Date mit einer
süßen Tussie.
Maskenhändler: Wie bitte?
Kunde 2: Ich treffe mit heute abend mit einer
hübschen jungen Dame. Da brauche ich eine entsprechende Maske.
Maskenhändler: Kein Problem. Hier,
die haben wir zur Zeit im Sonderangebot. Täuscht echte Liebe und Zuneigung vor.
Gerade junge Mädchen fallen immer wieder auf diese Maske herein.
Kunde 2:
Gut, genau das brauche ich. Die nehme ich.(bezahlt und geht)
Kunde 3: Mein Freund hat mir
erzählt, daß er bei Ihnen so eine "Immer gut drauf - Maske"
gekauft hat. So ein
Ding brauch ich, unbedingt! Sonst bin ich bin meinen Freunden
untendurch!
Maskenhändler: Leider ist mir diese Maske
ausgegangen. Wegen zu großer Nachfrage. Aber ich habe gerade mit meinem
Großhändler gesprochen. Diese Woche noch kriege ich sie wieder
rein.
Kunde 3: Aber was mache ich denn
heute abend? Wenn ich auf der Party mein wahres Gesicht zeige, dann redet keiner mit mir.
Maskenhändler: Nur
Geduld, junger Mann. Lassen Sie heute abend die Party sausen. In ein paar Tagen
sind Sie mit meiner Maske der King!
Kunde 4: (ängstlich) Morgen habe
ich mein Vorstellungsgespräch beim Personalchef. Können Sie mir da
eine
Maske empfehlen?
Maskenhändler:
Selbstverständlich, junge Dame. Hier etwas Hübsches,
Selbstbewußtes, Höfliches, Verbindliches. Keiner sieht Ihnen mehr die Angst an.
Kunde 4: Was bleibt
mir anderes übrig. Ich nehme sie. (bezahlt und geht)
Kunde 5: Ich brauche für meine Eltern eine fromme
Maske.
Maskenhändler: Eine fromme Maske?
Kunde 5: Ja, ja, meine
Eltern haben noch so christliche Ansichten. Macht sich gut, wenn man -
wenigstens ab und zu - so ne fromme Maske aufsetzt. Wegen des Hausfriedens
und so.
Maskenhändler: Verstehe.
Früher haben wir solche Masken öfters verkauft. Sind heute etwas aus
der Mode geraten. Aber wir haben noch ein paar Modelle auf Lager. Hier, etwas
angestaubt. Wirkt dadurch noch
echter.
Kunde
5: Toll, genau das brauch ich! (zahlt und geht)
Kunde 6: Ich brauche eine Maske für mein
Gesicht.
Maskenhändler:
Aber Sie haben doch schon eine Maske
auf!
Kunde 6: Wie bitte? Jetzt hätte ich es fast selbst nicht mehr
gemerkt.
Maskenhändler:
Das passiert oft. Man gewöhnt sich schnell
daran.
Kunde 7: (ärgerlich) Ich möchte gerne diese
Maske umtauschen.
Maskenhändler: Warum? Sind Sie nicht
zufrieden?
Kunde 7 Überhaupt nicht! Man hat mich
durchschaut!
Maskenhändler: Zeigen Sie mal. Das sind halt diese
Billigmodelle aus Taiwan. Die verramscht jetzt schon der Aldi. Hatte ich
Ihnen das nicht gesagt?
Kunde 7: Doch, doch. Aber ich dachte, Maske ist
Maske.
Maskenhändler: Es gibt, wie Sie am eigenen Leibe
erfahren haben, große Unterschiede. Unter 1000 DM gibt es eigentlich
nichts Empfehlenswertes. Und das Allerbeste ist eine Spezialanfertigung. Dauert
natürlich, kostet ein bißchen mehr. Dafür sind Sie aber auf
jeden Fall zufrieden. Die Maske paßt dann eben zu Ihrem Typ und wirkt
nicht mehr aufgesetzt. Soll ich Ihnen einen Termin bei
unserem Maskenbilder
machen?
Kunde 7:
Ist gut.
Maskenhändler: Nächsten Dienstag um 14
Uhr?
Kunde
7: Paßt.
Maskenhändler: Sie melden sich dann hinten
im Laden bei Herrn Esoterik.
Kunde 7: Komischer Name.
Maskenhändler:
Hat zur Zeit aber viele Aufträge gerade von anspruchsvollen Kunden.
Kunde 8: Ich kriege die Maske nicht mehr
herunter!
Maskenhändler: Das kommt häufig vor.
Kunde 8: Es
fühlt sich an, als sei sie mit dem Gesicht
verwachsen.
Maskenhändler: Bedauere, da kann ich nichts machen. Ich kann
Ihnen nicht helfen!
Kunde 9: Es ist etwas Entsetzliches
passiert!
Maskenhändler: So?
Kunde 9: Als ich neulich die Maske
abnehmen wollte - es war schrecklich! - da war kein Gesicht mehr da! Geben
Sie mir mein Gesicht wieder!
Maskenhändler: Bedauere,
wir führen nur Masken, keine Gesichter. Da müssen Sie schon zur
Konkurrenz gehen. (leise , mehr für sich) Kreuz und quer zum Beispiel. Die
verschenken sogar Gesichter. Warum die noch nicht pleite sind...?
Kunde 10: Ich möchte diese Maske zurückgeben.
Maskenhändler: Paßt Sie Ihnen nicht? Brauchen Sie eine
andere?
Kunde 10: Nein, nein. Ich brauche gar keine Maske mehr. Wissen Sie,
ich hab' jetzt einen Freund.
Maskenhändler: Wie Sie wollen: (für
sich) Der ist der erste, der keine Maske mehr braucht.