| Sohn | Papa!
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| Vater | Du siehst doch, daß ich Zeitung lese.
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| Sohn | (dringlicher) Papa!
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| Mutter | Laß doch den Papa seine Zeitung lesen! Er hat einen schweren Tag hinter sich!
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| Sohn | Aber ich will doch bloß was fragen!
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| Vater | (seufzt) Dann frag halt!
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| Sohn | Fahren wir dieses Jahr in Urlaub?
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| Vater | (einsilbig) Ja.
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| Sohn | Wohin fahren wir denn?
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| Mutter | Der Papa und ich waren gestern im Reisebüro. Und wir fahren wieder an die Adria nach Bibione.
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| Sohn | Super! Da gibt's doch das gute Eis!
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| Tochter | Bibione! Jedes Jahr nach Bibione. Könnt ihr nicht einmal woanders hinfahren?
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| Vater | Gefällt es dir dort wohl nicht?
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| Tochter | Doch. Aber jedes Jahr das Gleiche. Ist doch auf die Dauer öde. Fliegen wir doch einmal nach Thailand oder auf die Malediven!
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| Vater | Sonst noch was! Hast du eine Ahnung, was das kostet! Das können wir uns nicht leisten!
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| Sohn | Sind wir wohl arme Leute, daß wir uns das nicht leisten können?
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| Vater | Dein Papa ist nicht arm. Aber ich verdiene halt einmal nicht soviel wie einer dieser Fußballer, wie ein Beckham oder ein Zidane oder der Figo.
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| Sohn | Ach so.
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| Vater | (träumerisch) In 15 Jahren, da wird meine Lebensversicherung fällig. Mit dem Geld, das ich dann krieg, spendiere euch allen eine Weltreise, garantiert.
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| Mutter | (begeistert) Machst du das wirklich? In 15 Jahren, wie schön!
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| Tochter | (ironisch) In 15 Jahren, wie schön! Weißt du, wie lange das noch ist? Ich möchte halt gern dieses Jahr mal eine Fernreise machen.
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| Vater | (trocken) Vielleicht fall ich ja morgen tot um. Dann kriegt ihr jetzt schon das ganze Geld von der Lebensversicherung. Dann kannst ja mit der Mama und deinem Bruder nach Thailand fliegen.
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| Mutter | Sowas sagt man doch nicht. Wie redest du denn!
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| Vater | Warum soll man darüber nicht einmal reden? Irgendwann müssen wir ja alle mal abtreten.
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| Mutter | Aber doch nicht jetzt! Wir haben doch noch soviel vor. Jetzt, wo du endlich mal befördert worden bist, haben wir doch mehr Geld. Und vielleicht können wir nächstes Jahr doch noch das Bauen anfangen.
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| Sohn | Mama, fahren wir auch nach Bibione, wenn der Papa tot ist?
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| Mutter | Der Papa stirbt doch nicht, Bub.
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| Sohn | Aber er hat doch gerade gesagt, daß er morgen tot umfällt.
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| Tochter | Du kapierst auch nie was. Das hat er doch bloß gesagt, um uns zu ärgern.
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| Sohn | Ach so.
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| Vater | So, so. Da fährt man mit seiner Familie jedes Jahr nach Bibione und das Fräulein Tochter meint, ich will euch nur ärgern.
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| Tochter | So habe ich das nicht gesagt...
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| Vater | ...Wenn ihr so einen Vater wie unseren Nachbarn, den Herrn Huber hättet, dann könntet ihr überhaupt nicht in den Urlaub fahren. Dann könntet ihr nicht einmal zur Stadtranderholung.
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| Mutter | Der Huber muß übrigens im Krankenhaus sein. Letzte Woche haben sie ihn mit dem Krankenwagen abgeholt.
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| Vater | So, der Huber ist krank? (blättert weiter in der Zeitung, schaut auf einmal betroffen hoch) Frau, stell dir vor, wer gestorben ist!
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| Mutter | Sag schon!
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| Vater | Der Huber, unser Nachbar! Das steht's: Nach langem Leiden in Gottes Frieden eingegangen...
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| Mutter | Laß mich auch lesen! Tatsächlich: nach langem Leiden ...in Gottes Frieden eingegangen...
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| Vater | In Gottes Frieden eingegangen. Das ist ja auch bloß so ein frommer Spruch.
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| Mutter | Wie kannst du nur so reden! Das ist doch unser Nachbar! Der hat schon geglaubt, im Gegensatz zu dir.
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| Vater | Woher willst du wissen, was ich glaube?
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| Sohn | Mama, was heißt denn: ewiger Frieden.
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| Tochter | Das wäre zum Beispiel, wenn du deine dämlichen Fragen nicht mehr stellen würdest.
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| Mutter | Immer mußt du den Kleinen ärgern, immer!
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| Tochter | Weil er halt immer nervt!
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| Sohn | Ich nerv' überhaupt nicht! Ich hab' nur was gefragt!
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| Tochter | So, so, du nervst überhaupt nicht, außer heute und gestern und vorgestern, halt jeden Tag!
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| Sohn | Mama, die soll endlich aufhören!!
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| Vater | (schreit) Ruhe! Und mit euch soll ich in Urlaub fahren! Mit euch zwei Wochen in Bibione, das hält ja keiner aus.
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| Mutter | Schrei doch nicht immer gleich rum.
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| Vater | Ja, ja untergrab' nur den letzten Rest meiner Autorität. Manchmal wünsch ich mir nur noch Frieden. (schaut in die Zeitung, sinniert) "Gottes ewiger Frieden". Hätte vielleicht doch was für sich.
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| Tochter | Wie meinst du denn das schon wieder?
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| Vater | Wie ich das meine? Das kann ich dir schon erklären! Da geht man auf die Arbeit, tut brav seine Pflicht. Und der Chef pfeift einen nur zusammen. Kommt man nach hause, motzen nur die Kinder und die Frau fällt einem in den Rücken. Freut man sich auf den Urlaub, dann geht das Gekeife dort bestimmt weiter. Irgendsowas wie ein ewiger Frieden wär nicht schlecht.
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| Mutter | Und was ist mit deiner Lebensversicherung in 15 Jahren, willst du sie nicht erleben?
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| Vater | Ohne mich könnt ihr das Geld doch viel besser ausgeben.
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| Mutter | (begütigend) Ach komm, Bibione wird bestimmt ganz, ganz supertoll. Wir vertragen uns alle, das Wetter wird phantastisch, das Eis wird gut schmecken. Es wird der Himmel auf Erden!
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| Tochter | Und in Bibione ist auch nicht der Himmel auf Erden. Vielleicht auf den Malediven. Aber nicht mit dem Kleinen!
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| Sohn | Und mit dir auch nicht!
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| Mutter | Jetzt hört doch endlich auf! Immer müßt ihr euch streiten!
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| Vater | Der Himmel auf Erden, - wißt ihr was das für michd wäre? Mit einem Mercedes allein auf der Autobahn mit 180 fahren. Das wäre super.
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| Tochter | Ja, ja bis du an der nächsten Leitplanke hängst.
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| Vater | Das wäre immer noch besser, als dir deine Sprüche andauernd anzuhören. Dann hätte ich endlich meine ewigen Frieden.
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| Sohn | Mama, wo ist denn jetzt ewiger Frieden?
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| Mutter | (seufzt) Das weiß auch nicht. Bei uns ist er auf jeden Fall nicht.
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