„König der Löwen“ Anspiel „Kreuz und Quer“ 26.7.09
(Zwei Männer, als Löwen verkleidet, kommen fauchend und knurrend auf die Bühne.)
Fresso: Hab ich einen Hunger!
Brüllo: Und ich erst!
Fresso: Wann haben wir denn das letzte Mal was gefressen?
Brüllo: Das letzte Mal? Na diese kleine magere Maus von vorhin?
Fresso: Das war doch kein Fraß! Ich beiß dir gleich ein Ohr ab, wenn du so einen Unsinn noch mal sagst!
Brüllo: Entschuldigung, das war natürlich nichts zu fressen. Das war nur ein Appetithappen.
Fresso: Das war nicht einmal ein Appetithappen. Das war fast gar nichts.
Brüllo: Du hast natürlich recht. So eine Maus ist ja kaum mehr als ein Floh.
Fresso: (kratzt sich) Erinnere mich nicht an meine Flöhe.
Brüllo: Natürlich, Entschuldigung!
Fresso: Jetzt weiß ich es wieder.
Brüllo: Was denn?
Fresso: Na, unser letztes Fressen, du Dummkopf! Das war doch dieser unglaubliche Fettwanst!
Brüllo: Der den König vergiften wollte?
Fresso: Genau der! Unglaublich dumm, aber auch unglaublich saftig.
Brüllo: Wir waren eben seine gerechte Strafe. Wer den König vergiften will, der muss den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden.
Fresso: Mir läuft heute noch das Wasser im Munde zusammen.
Brüllo: Und dann kam dieser Daniel.
Fresso: Hör auf, erinnere mich nicht an diese Pleite!
Brüllo: Pleite ist gar kein Ausdruck. Wir hatten schon seit Tagen nichts mehr zum Fressen bekommen. Dann hat man uns ihn in die Löwengrube hinuntergeworfen. Hat der lecker ausgesehen.
Fresso: Hör auf.
Brüllo: Wir hätten ihn uns redlich geteilt: Du die rechte, ich die linke Seite. Ich wollte schon in sein Bein reinbeißen – da konnte ich nicht mehr.
Fresso: Hör auf, hab ich gesagt.
Brüllo: Aber ich muss es noch einmal erzählen. Es war so unglaublich. Da war auf einmal dieses Wesen da und hat mir und dir doch glatt unser Maul zugehalten.
Fresso: Es war ein Engel, du Dummkopf.
Brüllo: Und dann (fängt das Weinen an) konnten wir nichts fressen, huhu!
Fresso: Halt’s Maul, du Weichei, du Heulsuse. Du bist eine Schande für uns Löwen.
Brüllo: Aber wenn das so weitergeht, dann kriegen wir ja gar nichts mehr zu fressen. Stell dir mal vor: Die werfen uns jetzt immer jemand zum Fraß vor, und den können wir dann nicht fressen! Das wäre doch seelische Grausamkeit. Und dann müssten wir auch, huhuhu, verhungern!
Fresso: Hör endlich auf mit dem Gewinsel. Du heulst ja schlimmer wie eine Hyäne.
Brüllo: Eine Hyäne? Was ist das? Was zum Fressen?
Fresso: Du bist so dumm,. dass man dir das Fressen verbieten sollte.
Brüllo: Na hör mal. Das Fressen lass ich mir nicht verbieten, auch nicht von dir.
Fresso: Schon gut, wir kriegen schon noch was zum Fressen. Vielleicht schon sehr bald.
Brüllo: Wie denn? Wo denn? Was denn?
Fresso: Na schau dich doch mal um, wo wir sind.
Brüllo: Ja, wo sind wir denn?
Fresso: Hast du keine Nase im Kopf? (schnuppert) Ich rieche, rieche Menschenfleisch, ganz nahe.
Brüllo: (schnuppert) Jetzt rieche ich es auch.
Fresso: Wunderbares Menschenfleisch, jung und frisch, zart wie Butter.
Brüllo: Aber wo?
Fresso: Hast du keine Augen im Kopf? Direkt vor uns, das sitzen sie doch: Menschen, jede Menge.
Brüllo: Ah, du hast recht.
Frsso: (beschreibt einen Gottesdienstbesucher, der ganz vorne sitzt)
Brüllo: (beschreibt ebenfalls einen Gottesdienstbesucher, der ganz vorne sitzt)
Fresso: Schau mal den kleinen Dicken dort hinten! Der muss ja lecker schmecken. (deutet nach hinten in den Kirchensaal)
Brüllo: Ich vertrag nicht mehr so viel Fett. Wegen dem Cholesterin. Die lange Dünne da hinten ist mir lieber! (deutet ebenfalls nach hinten)
Fresso: Na also, dann los!
Brüllo: Wie: los?
Fresso: Na du nimmst die Dünne und ich den Dicken.
Brüllo: Wie, jetzt?
Fresso: Wann dann?
Brüllo: Also dann auf sie mit Gebrüll!
Fresso: Bist du wahnsinnig? Willst du sie mit deinem Gebrüll vertreiben? Wir gehen ganz, ganz leise, mit leisen Tatzen hin.
Brüllo: Gut.
(Löwen schleichen nach vorne und bleiben in der Mitte etwa stehen)
Fresso: Halt!
Brüllo: Wieso denn?
Fresso: Ja, siehst denn nicht!
Brüllo: Schon wieder so ein Wesen!
Fresso: Ein Engel!
Brüllo: Ich hab Angst.
Fresso: Hier gibt es zu viele, du an den wahren König der Löwen glauben.
Brüllo: Du hast recht. Hier haben wir keine Chance.
Fresso: Na dann wissen wir ja, was wir zu tun haben.
Brüllo Nichts wie weg!
Fresso: Da muss ich dir ausnahmsweise mal Recht geben!
(Löwen jagen so schnell es geht davon, laufen die Treppe zum Neubau runter)
© Dieter Opitz 2009