Bayreuth, den 12.4.01 Markus 15,20-21
Liebe Gemeinde!
"Verstehen Sie Spaß?" Wir alle kennen wohl diese Fernsehsendung. Irgendein
Mensch gerät in eine äußerst peinliche Lage, wie zum Beispiel beim Betreten eines
Hauses fällt ihm die Tür entgegen oder etwas ähnliches. Was der Betreffende nicht
weiß: Das ganze Mißgeschick ist inszeniert und wird mit versteckter Kamera aufgenommen.
Irgendwann kommt ein Mitarbeiter von "Verstehen Sie Spaß?" und erklärt
grinsend, was los ist. Natürlich freut sich der Hereingelegte, denn er kommt ja ins
Fernsehen. Aber ob er sich nicht auch einmal insgeheim ärgert, daß man sich auf seine
Kosten amüsiert hat?
Geärgert haben sich auf jeden Fall vier von den fünf Joggern in unserem Anspiel. Sie
haben sich die ganze Sache mit Jesus anders gedacht, sich den Weg mit ihm bequemer
vorgestellt. Nur einer fühlt sich nicht hinters Licht geführt. Er hat gemerkt, daß sich
der Weg mit Jesus lohnt.
Geärgert hat sich auch ein Mann, von dem die Bibel erzählt. Er geriet in eine äußerst
peinliche Lage. Er hieß Simon von Cyrene.
Ich lese euch diese Geschichte einmal vor. Sie steht bei Markus, Kapitel 15 Vers 20 und
21.
Geplant war die ganze Szene sicher nicht, weder vom römischen Hinrichtungskommando noch
von Simon von Cyrene. Er fiel wahrscheinlich auf, weil er dem ganzen Zug, der aus der
Stadt herausdrängte, entgegenging. Er wollte von einem Spaziergang wieder zurück nach
Jerusalem. Auf einmal drückt man ihm den Querbalken eines Kreuzes auf seinen Rücken. Und
vielleicht haben sich auch die Umstehenden auf seine Kosten amüsiert. Das römische
Hinrichtungskommando mag blöde gegrinst haben, und vielleicht haben auch einige von den
umherstehenden Gaffern Schadenfreude empfunden. Aber was blieb dem Simon anderes übrig,
als gute Miene zum bösen Spiel zu machen? Spaß hat ihm die ganze Szene sicher nicht
gemacht. Wer trägt schon gern ein Kreuz, wenn es auch nur für kurze Zeit ist und wenn
man auch nicht selber dort angenagelt wird? Doch wohl niemand.
Keiner will sich der Lächerlichkeit preisgeben. Jeder will doch gut dastehen und vor
allen Dingen sein Leben selbst bestimmen. Gerade in unserer Zeit redet man viel von
"Selbstverwirklichung" und "Tun, was einem Spaß macht". Und viele
leben auch danach. Die allermeisten jungen Menschen in unserer Gesellschaft sehen den Sinn
ihres Lebens darin, möglichst viel Spaß zu erleben. In einer Umfrage waren es 99 % der
befragten Jugendlichen!
Warum fahren Hunderttausende nach Berlin zur Love - Parade, um eine Wochenend - Techno -
Party zu feiern? Einfach Spaß haben, heißt die Devise. Die Post muß abgehen.
Leichtigkeit ist angesagt. Das Motto der "Raver": Wir wollen nur Spaß haben.
Raven heißt "toben", und so tobt man sich aus. Man will nichts mehr bewegen -
außer seinem eigenen Körper.
Nur noch seinen Spaß haben - das ist der Weg, der genau in die andere Richtung führt als
der, den Jesus gegangen ist. Jesus ging den Weg zum Kreuz. Und diesen Weg sollen seine
Nachfolger auch gehen. Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern: "Wer mir nachfolgen
will, darf nicht mehr an sich selber denken, sondern muß sein Kreuz willig auf sich
nehmen und mir nachfolgen." (Matthäus 16,24) Das Kreuz auf sich nehmen bedeutet
wörtlich: Sich auf die eigene Hinrichtungsstätte begeben. Und genau das meint Jesus: Es
geht um die bewußte und freiwillige Hingabe des eigenen Ichs - und zwar an ihn. Erst
dadurch kann Jesus im Leben eines Menschen Gestalt annehmen - und letzten Endes glücklich
werden.
Freilich, die Werbung möchte uns gerne etwas anderes einreden. Ich bin glücklich durch
das ultraneue Feinwaschmittel. Der kleine Snack zwischendurch erhöht mein Glücksgefühl.
Und das passende Auto verhilft erst recht zur Glückserfüllung.
In diesem Sinne sind tatsächlich die Allermeisten glücklich. Über 90 % aller Deutschen
bezeichnen sich als "ziemlich" oder "sehr glücklich". Trotzdem geben
fast die Hälfte der Befragten an, sie seien öfter erschöpft oder zerschlagen. 17 %
gaben an, sie hätten immer wieder mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen. Obwohl die
Menschen äußerlich glücklich sind, fühlen sie sich verunsicherter denn je. Der Weg,
der das Glück sucht in Spaß und Konsum ist eine Sackgasse. Nur der Weg der Nachfolge
Jesu macht mich letztlich glücklich.
Immer wieder geschieht es, daß sich beide Wege kreuzen, so wie bei Simon von Cyrene. Ohne
es zu wollen, schultert er das Kreuz Jesu. Er wußte nicht, was er da trug. Sicher
widerwillig trug er die Last, die man ihm da auf den Rücken gelegt hatte. Doch später
lernte er das Kreuz lieben. Er wurde Christ und gehörte mit seinen beiden Söhnen der
christlichen Gemeinde an. Da wurde ihm klar: Dieser Balken war das wichtigste Stück Holz
der Weltgeschichte. Am Kreuz starb der Erlöser der Menschheit.
Immer wieder lädt Jesus Menschen ein, ihm nachzufolgen, so wie in dem Stück, das wir
gesehen haben. Viele tun dies auch, aber nur solange es ihnen Spaß macht. Und manche
lassen sich auf dieses Angebot ein, ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun, die sogar
eher skeptisch und ablehnend waren.
Christ werden, ohne es zunächst zu wollen, das gab es immer wieder. Ich denke da zum
Beispiel an einen Mann, der mit dem Christentum nicht viel am Hute hatte. Einen
Gottesdienst besuchen, das fiel ihm überhaupt nicht ein. Da mußte er zu einer
Beerdigung, die ausgerechnet ein Pfarrer hielt, von dem er überhaupt keine gute Meinung
hatte. Er beschloß, sich seine Ohren zuzuhalten, um die Predigt dieses Pfarrers nicht
hören zu müssen. Als eine Fliege sich auf sein Gesicht setzte, mußte er wohl oder übel
eine Hand von seinem Ohr wegnehmen, um dieses Tierchen zu verscheuchen. Sofort hielt er
sich die Ohren wieder zu. Aber er hörte einen Satz, der ihn nun nicht mehr losließ. Er
hakte sich in seinem Inneren fest - und ließ ihn schließlich Christ werden.
Oder ich denke an eine der bewegendsten Geschichten von Pfarrer Busch. Er besucht einen
Mann im Rollstuhl, durch einen Arbeitsunfall gelähmt. Busch schlägt nur Verbitterung
entgegen. Von Gott will der verunglückte Bergarbeiter nichts wissen. Da schleppen ihn ein
paar seiner Bekannten mit in die Bibelstunde von Busch. Sie nahmen ihn einfach mit, ohne
lange zu fragen. Immer wieder bringen sie ihn in die Bibelstunde. Und das Wort Gottes, das
er dort hörte, tat seine Wirkung. Er wird Christ und söhnte sich mit seinem Schicksal
aus. Später bekennt er Busch: "Sie wissen ja gar nicht, wie froh ich bin. Seitdem
ich weiß, daß ich Jesus gehöre, sieht mich die ganze Welt anders an. Alles ist so
fröhlich. Ja, Herr Pfarrer", er zeigte vom Straßenrand aus, wo er saß, auf die
graue Straße, "sogar die Pflastersteine lachen mich an."
Jesus holt sich oft Leute, die eigentlich gar nicht daran dachten, an ihn zu glauben. Eher
werden ganz gottlose Leute Jesusnachfolger als Kinder christlicher Eltern, die zwar alles
wissen, aber nicht danach leben. Viele von euch haben eure Eltern einmal in eine Jungschar
gebracht, ohne daß sie euch lange gefragt haben. Ihr wurdet ins Christentum
hineingeboren, ohne euch viel dabei zu denken. Aber irgendwann müßt ihr merken: Gott hat
keine Enkel. Dadurch daß eure Eltern Christen sind, seid ihr noch keine Kinder Gottes.
Ihr müßt selber die Entscheidung für Jesus treffen.
Vielleicht ist alles bei dir ganz anders. Dich hat ein Freund oder eine Freundin in diesen
Gottesdienst mitgebracht. Und dir gefällt es auch: Sind ja viele junge Leute da, viele
nette Leute und hübsche Leute. Man kann gute Musik hören. Ist alles auch irgendwie
interessant, was man da hört. Und nachher kann man sich gut unterhalten. Alles schön und
gut. Aber dadurch, daß du die Kreuz und Quer Gottesdienste nett findest und die ganze
Atmosphäre hier und du selber ein netter Junge oder ein nettes Mädchen bist, bist du
noch lange kein Christ.
Wer einen Kreuz und Quer Gottesdienst besucht, muß sich im klaren sein, was er tut. Ob er
es weiß oder nicht, in dem, was er hier hört und was dann auch im Abendmahl geschieht,
begegnet ihm Jesus. Und der will ihn haben, will, daß er ein Leben mit ihm führt.
Dieses Leben fängt in der Regel so an wie unsre Geschichte von dem Simon von Cyrene. Du
kommst in eine Lage hinein, die du gar nicht lustig findest, sondern wo du am liebsten
rebellieren würdest. Das ist der Punkt, wo du dich erkennst, wie du bist. Du machst
vielleicht irgendeinen blöden Fehler und denkst: "Wieso muß das gerade mir
passieren?" und jemand reibt dir das noch unter die Nase. Oder du beschäftigst dich
mit den 10 Geboten und merkst, wie du gegen alle verstoßen hast. Oder du hörst in einer
Predigt von Sünde und der Prediger landet bei dir lauter Volltreffer. All das paßt dir
natürlich nicht, aber es ist entscheidend wichtig, wie du mit deiner neuen Erkenntnis
umgehst: Ob du dir's gefallen läßt oder nicht.
Dem Kirchenrat Preiser sagte einmal ein Seelsorger knallhart die Wahrheit: "Du stehst
direkt vor dem Abgrund!" Das heißt ja: So wie du bist, kommst du nicht in den
Himmel! Zuerst regte er sich furchtbar über diese Worte auf. Doch dann ging ihm auf:
Diese Sätze sagte ihm der Mann ja nicht, um ihn zu ärgern und fertigzumachen, sondern
aus einer großen Liebe heraus, um ihm zu helfen.
Mir ging es ja ganz ähnlich. Zuerst mein Bruder und dann ein Freund warfen mir einmal
unangenehme Wahrheiten an den Kopf. Das war nicht einmal lieb gesagt und auch nicht aus
der Absicht, mir zu helfen. Auch wenn es mir nicht gefiel: Ich machte mir trotzdem
Gedanken über das Gesagte und ließ es mir sagen. Ich merkte, wer und wie ich bin: ein
verlorener Mensch, reif für die Hölle.
Doch dann erging es mir wie dem Simon von Cyrene. Die bis dahin tiefste Demütigung in
meinem Leben diente mir zum Besten. Sie wurde zum entscheidenden Wendepunkt in meinem
Leben. Ich begriff, was Vergebung heißt und ergriff sie auch. Worte in der Bibel, die von
der Vergebung sprachen, saugte ich wie ein Schwamm in mir auf. Ich konnte glauben: Alle
meine Sünden sind mir vergeben. Ich bin ein Kind Gottes! Und ich wurde froh und
glücklich über diese Gewißheit.
Auch du darfst es glauben, wenn dir die unangenehme, bittere Wahrheit über dich
aufgegangen ist: Du, gerade du bist doch von Gott geliebt! Jesus nimmt Sünder an, und
zwar nur Sünder. Je mehr du gemerkt hast, was in deinem Leben alles falsch gelaufen ist,
desto lieber vergibt er dir, desto mehr gilt dir seine Liebe. Glaub es doch: Du bist
Gottes Kind, nicht nur heute und morgen, sondern dein Leben lang, eine Ewigkeit lang.
Eigentlich müßte es uns die Sprache verschlagen, wenn wir das begriffen haben, wie groß
die Liebe Jesu ist.
Und noch etwas zum Schluß, ein wichtiger Nachtrag: Du wirst als Christ immer wieder in
Situationen hineinkommen, die dir gar nicht gefallen. Du wirst immer wieder merken, wie
groß deine Sünde ist und wo du falsch gehandelt hast. Das muß sogar so sein. Sonst
wirst du nämlich ein selbstzufriedener Typ, der sich nur immer über die anderen aufregt
und nicht über sich selbst und nicht merkt, wo er noch anders werden muß.
Du kannst auch in Lagen hineinkommen, die du gar nicht verstehst, sei es, daß du einmal
krank wirst oder daß du durch Prüfungen fällst oder daß dich dein Freund verläßt
oder keine Freundin findest, obwohl du es dir schon so lange wünschst. Ein Tip: laß es
dir gefallen. Lehn dich nicht dagegen auf. Sag vielmehr: Wenn es dir, Herr Jesus,
gefällt, soll es mir auch gefallen. Und wenn es dir nicht gefällt oder nicht mehr
gefällt, dann kannst du meine Lage auch wieder ändern.
Glaub mir: Gerade die unangenehmsten Lagen in deinem Leben können einmal die wertvollsten
sein. Jesus ist kein Sadist. Er liebt dich doch! Und er tröstet dich und hilft dir, wenn
der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Amen