Liebe Gemeinde!
Zugegeben, den eingespielten Film haben wir schon einmal in einem Kreuz und Quer
Gottesdienst gezeigt. Aber das Ganze ist schon sechs Jahre her und er passt sehr gut zu
der Geschichte, die wir jetzt hören werden. In ihr geht es um einen Mann, der auch auf
der Flucht ist, auf der Flucht vor Gott. Doch Gott holt ihn ein und es kommt zu einem
unüberbietbaren Showdown.
Wir hören Jona Kapitel 1 und Kapitel 2, Vers 1 und 11.
(Predigttext vorlesen)
"Mission Impossible" heißt ein äußerst erfolgreicher Agentenfilm aus dem Jahr
1996, so erfolgreich, dass er zwei Fortsetzungen fand. In die Filmgeschichte ging die
Szene ein, in der Tom Cruise zusammen mit einer Agentencrew in das hoch gesicherte
CIA-Hauptquartier einbrach, um dort eine Liste mit wichtigen Daten zu entwenden. Eine
unmögliche Aufgabe, eine "Mission Impossible", aber Tom Cruise schafft es
natürlich.
Jona soll nun nach Ninive, in die Hauptstadt der Feinde seines Volkes. Auch er hat einen
unmöglichen Auftrag. Er soll als Feind und Ausländer dort predigen, nicht: "Gott
hat euch lieb und so." sondern "Gott ist zornig über euch und hat vor, euch zu
bestrafen, weil ihr so böse seid." Mission Impossible. Um so einen Auftrag würde
sich wohl niemand reißen, ich nicht, ihr nicht und auch Jona nicht.
Doch es handelt sich um einen Auftrag von Gott. Gott redete damals mit Jona. Und wenn Gott
mit einem Menschen spricht, dann ist es ratsam, zu gehorchen, nicht nur deshalb, weil es
etwas auf die Socken gibt, wenn man nicht gehorcht, sondern auch, weil er einen nicht
überfordert, weil er nichts Unmögliches zumutet. Was er sagt, dass können wir schaffen,
- "Mission Possible" -, ja noch viel mehr, das tut uns gut. Jona, der vor Gott
flieht, das war bestimmt kein glücklicher Mensch.
"Mach dich auf!" sagte Gott damals zu Jona. Wie, das steht nicht da, ob durch
eine innere Gewissheit, ob durch eine Stimme, die er von außen hörte. Auf jeden Fall ist
es wahr: Gott redet, bis auf den heutigen Tag. Vielleicht sagt nun mancher: "Wo denn,
wann denn, wie denn? Ich habe noch nie seine Stimme gehört!" Wenn das bei dir der
Fall ist, dann liegt das nicht an Gott. Dann ist das deine Schuld. Denn Gott hat mit dir
schon geredet, in jeder biblischen Geschichte, die du gehört hast, in jedem Bibelwort,
das du gelesen hast. Und das Phantastische, fast Ungeheuerliche ist: Gott redet auch jetzt
mit dir, in diesem Gottesdienst, in dieser Predigt. Ich bin nicht Gott. Aber ich habe den
Auftrag zu predigen von Gott einmal bekommen. Ich dachte, wie der Prophet Jeremia:
"Ich doch nicht! Ich bin zu jung! Ich kann nicht predigen!" Doch Gott redete zu
mir, dem damals 19jährigen, durch das Wort aus Jeremia 1 Vers 7: "Sage nicht:
Ich bin zu jung', sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles,
was ich dir gebiete." Eigentlich auch so eine "Mission Impossible". Gott
will durch Menschen zu einem reden. Aber er will es so. Und es funktioniert. Gott redet
durch Menschen, auch heute abend hier in dieser Kirche. Und es wiederholt sich der Ruf
Gottes an Jona auch bei dir: "Mach dich auf! Mach dich auf die Socken und bleib nicht
hocken in einem Leben ohne Gott!" Ich nehme an, du glaubst an Gott, sonst wärest du
ja nicht hier. Es wird dir auch wichtig sein, von ihm etwas zu hören. Und viele unter
euch haben schon etwas mit Gott erlebt. Aber frage dich einmal: Wie wichtig ist er dir
denn? Lebst du auch nach seinem Willen, nach seinen Geboten? Wie verbringst du denn deinen
Alltag? Spielt da Gott die Hauptrolle oder nur eine bescheidene Nebenrolle, wenn
überhaupt eine? Und wie gehst du mit deinen Mitmenschen um, mit deinen Eltern,
Geschwistern, Kindern, Lehrern, Vorgesetzten, Kollegen, Freunden und Unsympathischen?
Ich bin mir sicher: Für jeden gilt dieses: "Mach dich auf! Komm heraus aus einem
Leben, das sich nur um sich selber dreht, und nicht um Gott und deinen Mitmenschen."
Das heißt ganz konkret: Gib dich schuldig! Und bekenne deine Schuld vor Gott oder einem
Seelsorger, und lasse dir im Namen Jesu die Vergebung zusprechen. Dann darfst du glauben:
Nichts steht mehr zwischen dir und Gott. Er gibt dir die Kraft, das zu tun, was er will,
und er lässt dich dann nicht allein. Sondern er geht mit dir.
Gott hat auch für dich seine Aufträge, so wie damals für Jona, ob sie klein sind oder
groß, ob du für deine Mutter einmal einkaufen sollst oder ob du eine Jungschar leiten
oder in die Mission gehen sollst. Gott will dich immer an seinen Aufgaben beteiligen. Und
gerade, wenn du denkst: Was soll denn Gott gerade mit mir anfangen? Ich bin doch zu jung,
oder zu alt, oder zu ungeschickt, zu schüchtern oder zu schlecht! Gerade dann will er mit
er vielleicht etwas ganz Besonderes anfangen. Martin Luther hat einmal gesagt:
"Niemand lasse den Glauben fahren, dass Gott gerade durch ihn eine große Tat tun
will."
Denken wir an Jona. Der war ja auch nicht gerade der folgsamste und bravste Bote Gottes.
Ganz im Gegenteil. Er war dickköpfig und eigensinnig. Er hatte einfach keine Lust, den
Willen Gottes zu tun. Typisch Jona. Typisch Mensch. Vielleicht kennt ihr das ja auch:
Eigentlich weiß man ganz genau, was Gott von einem haben will, vielleicht seine Stille
Zeit halten, anstatt früh morgens im Bett zu schnarchen, einen Menschen zu helfen,
anstatt Fernsehen zu schauen, sich für Jesus einzusetzen, anstatt nur fromm zu genießen.
Ich kenne es jedenfalls. Zu manchem Dienst habe ich keine Lust gehabt, weil er mir zur
unpassenden Zeit kam oder einfach unbequem war. Was mir in solchen Situationen oft
geholfen hat, war der Gedanke: Ich mag manchmal keine Lust haben, aber Gott hat Lust. Er
hat immer Lust, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Er hat Freude daran, wenn
wir seinen Willen tun.
Jona läuft vor Gott weg - und läuft ihm gerade in die Arme. Jona hat es sich in seiner
Dickschädeligkeit in den Kopf gesetzt, nicht nach Ninive zu gehen. Aber Gott ist noch
sturer und hartnäckiger im Verfolgen seiner Ziele. Jona soll nach Ninive. Um dieses Ziel
zu erreichen, greift Gott nach absolut ungewöhnlichen Mitteln.
Jona soll nach Osten. Aber er flieht in die absolut entgegengesetzte Richtung, nach
Westen. Auf einem Schiff meint er, fern von Gott zu sein. Aber das ist natürlich ein
Irrtum. Gott reist mit. Er geht auch mit an Bord. Keiner wird Gott los und wenn er sich
noch so sehr bemüht. Der Schöpfer bleibt seinem Geschöpf auf den Fersen. Gott schickt
einen Sturm, und durch ein Losverfahren bekommen die abergläubischen Matrosen heraus, wer
die Ursache des Unwetters ist. Jona "outet" sich: "Ich bin schuld daran,
dass es euch so schlecht geht. Denn ich bin von Gott geflohen. Werft mich über Bord. Dann
hört der Sturm auf."
Es ist kaum zu glauben, welche Sätze dieser dickköpfige Prophet von sich gegeben hat. Da
hat er doch zugegeben, dass er Gott ungehorsam war und hätte nun Gelegenheit, seinen Gott
um Hilfe anzurufen, zu bereuen, Buße zu tun und versprechen, nach Ninive zu gehen. Aber
was macht dieser Kerl? Aussteigen will er. Lieber sterben als umkehren!
So ist der Mensch. Lieber hat er die Hölle auf Erden oder fährt zur Hölle, als Gott zu
gehorchen. Schließlich geschieht, was Jona will. Die Matrosen wollen zwar Jona nicht
umbringen. Doch der Sturm lässt nicht nach. Und die Seeleute werfen den ungehorsamen
Propheten doch über Bord.
Jona versinkt in den Fluten und hat mit seinem Leben abgeschlossen. Hoffnungsloser kann
eine Lage nicht sein. Aber Gott greift ein. Bei ihm gibt es kein Unmöglich. Für den, der
an Jesus glaubt, gibt es keine hoffnungslosen Lagen.
Ich denke daran, wie ich als kleiner Junge einmal fast ertrunken wäre. Ich ging den
Flusslauf des Roten Mains entlang. Das Wasser war nur knietief. Doch plötzlich verlor ich
den Boden unter den Füßen. Ich schrie noch um Hilfe. Dann war ich unter Wasser.
Schwimmen konnte ich nicht. Und meine Kameraden, die mit mir unterwegs waren, konnten mir
auch nicht helfen. Jetzt ist es aus, schoss es mir durch den Kopf und dachte in dem Moment
an Gott. Der schickte zwar keinen großen Fisch wie bei Jona. Aber er ließ mich ganz
ruhig werden. Ich geriet nicht in Panik, schluckte nicht Wasser, wurde nicht ohnmächtig.
Sondern ich ließ mich einfach von der Strömung treiben, bis ich wieder Grund unter die
Füße bekam, wieder auftauchen konnte und alleine aus dem Roten Main herausmarschierte.
Jona war dem Tode ganz nahe. Doch er wachte aus dem Schlaf seiner Gottesferne wieder auf.
Er rief Gott in seiner Angst an - und er antwortete ihm. Aber wie! Gott schickte einen
großen Fisch, der den Jona in seinen Magen einsaugte.
Diese Geschichte klingt wie ein Märchen und ist auch der Anlass von so manchem Spott
geworden. Ein Mann zum Beispiel machte sich über einen Jungen lustig, der an die
Geschichte von Jona und dem großen Fisch glaubte. "Wie soll denn so etwa möglich
sein?" fragte er ihn. "Das weiß ich auch nicht. Aber wenn ich im Himmel bin,
werde ich Jona fragen," antwortete der Junge. "Und wenn Jona in der Hölle
ist?" "Ja dann können Sie ihn selber fragen."
Eine Erklärung für diese Geschichte habe ich auch nicht. Ich weiß nur, dass Gott viele
Dinge tut, die ich nicht verstehe. Gott schafft ein ganzes Weltall aus dem Nichts und
einen kompletten Menschen aus einer befruchteten Eizelle, die kleiner ist als ein
Stecknadelkopf. Was ist dagegen so ein Fisch? Eine Kleinigkeit.
Gott schickt dem Jona nicht das, was er verdient hätte: einen Haifisch, der ihn
genüsslich bis auf die Knochen abgenagt hätte, sondern einen großen Fisch mit einem
genügend großen Maul und Schlund, dass er den Propheten bequem hinunterschlucken konnte.
Keine sehr angenehme Lage. Aber Jona erkennt: Diese Situation ist ein Eingreifen Gottes.
Er hat mein Leben gerettet.
Es ist häufig so: Gott muss mich erst wie Jona in die Tiefe stürzen, damit ich ihn
erkenne. Es kann eine äußere Katastrophe sein oder eine tiefe seelische Krise. Und auf
einmal geht mir auf, welche Abgründe ich in meinem Herzen habe, wie viel Hochmut,
Eigensinn, Gottlosigkeit, Egoismus. Es ist keine sehr schöne aber eine wichtige
Erfahrung, dass man erkennt, wie man ist. Denn dann lernt man auch das Schreien um Hilfe,
das Schreien zu Gott. Wenn ich ganz unten bin, dann kann mir aufgehen: Ich brauche Gott,
brauche seine Gnade, seine Vergebung, seine Liebe, sonst ist mein Leben sinnlos, sonst
gehe ich verloren und komme in die Hölle.
Wer dies gemerkt hat, der braucht nur noch eines tun, damit ihm geholfen ist: Gott danken,
dass er ihm auch wirklich hilft, vergibt und aus der Not, in der er steckt, herausholt. So
machte es auch Jona. In der Dunkelheit, in der Meerestiefe, aber doch schon geborgen und
eingehüllt in der Liebe Gottes, fängt er an. Gott zu loben und zu danken.
Dieses Singen hält wohl der Fisch nicht mehr aus. Hab du mal einen Propheten im Bauch,
der drei Tage lang singt! Also, dem Fisch wird es kotzübel und spuckt den Jona aus, nicht
ins Meer sondern an Land.
Gott hat nun für uns ein noch größeres Wunder getan als an Jona. Jesus greift einmal
diese Geschichte von dem ungehorsamen Propheten auf und vergleicht sein Schicksal mit dem
des Jona. So wie Jona in den Bauch eines Fisches soll er in den Bauch der Erde sein und
dann wieder herauskommen. Es ist klar, was Jesus mit dieser geheimnisvoll klingenden
Andeutung meint. Jesus starb und ist dann wieder auferstanden. Jona meinte, sterben zu
müssen, damit die Leute auf dem Schiff leben können. Jesus starb tatsächlich, damit wir
alle leben können, das ewige Leben haben können.
Jona wusste von diesem Retter und Heiland Jesus Christus noch nichts. Aber wir haben von
ihm gehört. Er ist die Antwort Gottes auf unsere Schuld, auf unseren Ungehorsam: Sie
heißt: Ich hab dich lieb. Komm doch zu mir. Ich vergebe dir. Trau mir doch zu, dass ich
dein Leben recht gestalten werde. Ich meine es nur gut mit dir. Renne deshalb nicht weg
von Gott sondern komm zu ihm und tu das, was er von dir haben will.
Gott will mit dir so umgehen, wie ein Gitarrenspieler mit eine Saite seiner Gitarre. Diese
lag neben der Gitarre und wollte sich nicht einspannen lassen, womöglich noch neben die
brummige Bassseite rechts und die eintönige d-Saite links. Sie wollte ihre Freiheit
genießen. Aber mit der Zeit wurde es der Saite langweilig und öde. Immer so sinnlos
daliegen und so einsam und unbeachtet sein. Der Gitarrenspieler erkannte die heimliche
Sehnsucht seiner Gitarre und sprach ihr gut zu: "Wenn du wüsstest, was für
herrliche Musik in dir steckt!" Ganz behutsam spannte er sie ein, immer ein wenig
mehr, bis sie ihre Tonlage gefunden hatte. Dann begann er zu spielen. Wunderbar erklang
die Musik und machte dem Gitarrenspieler und vielen anderen Zuhörern große Freude.
So will Gott auch unser Leben zum Klingen bringen, uns in sein Handeln einspannen. Nicht
um uns unglücklich zu machen, sondern um unser Leben sinnvoll zu machen, um für ihn zu
leben, sowie mit anderen und für andere.
Wie das nun konkret bei Jona aussah, davon haben wir heute noch nichts gehört. Das soll
Gegenstand einer anderen Predigt sein, im November, beim nächsten Kreuz und Quer
Gottesdienst. Also "Mission Possible" 2.
Amen
© 2006 Dieter Opitz