Liebe Gemeinde!
Freiluftgottesdienste sind eine tolle Sache. Ich habe schon einige gehalten:
in luftigen Höhen, in einem Wirtsgarten, im Sommer bei strahlendem Sonnenschein
und auch im dunklen Winter, abends in der Adventszeit.
In einem Boot wie Jesus war ich allerdings noch nicht gestanden, um dort zu
predigen. Aber vorstellen kann ich mir die Szene, die Lukas erzählt, gut. Ich
war ja selber schon einmal am Nordwestufer des Sees Genezareths gestanden. Dort
zwischen Tabgha und Kapernaum gibt es halbkreisförmige Buchten. Das Wasser trägt
den Schall. Die halbkreisförmige Bucht verstärkt ihn. So ist ein Boot durchaus
ein guter Predigtort.
Die Leute kamen auch zu Jesus, allerdings nicht, weil diese Bucht bei Kapernaum
ein so romantischer und anziehender Ort gewesen war. Sie wollten Gottes Wort
hören. Das zog sie an. Jesus predigte so, dass die Menschen spürten: Jetzt redet
kein Mensch sondern Gott mit uns. Jesus hielt keine theologischen Vorträge,
keine theoretischen Abhandlungen über das Alte Testament. Sondern was er sagte,
sprach in ihren Alltag hinein, in ihr persönliches Leben. Es traf sie, bewegte
sie, veränderte sie.
So soll auch bis auf den heutigen Tag eine Predigt sein, auch diese. Gott soll
durch sie in deinen Alltag hineinsprechen. ER soll dir zeigen, wo es bei dir
nicht stimmt, aber auch neuen Mut zum Glauben machen, damit du Gott ganz nahe
kommst. Das gibt es wirklich. Und viele von euch haben dies sicher immer wieder
erlebt: Es redet zwar ein Mensch, ein fehlerhafter, sündiger Mensch, aber Gott
ist auf einmal in den Worten spürbar da und spricht mit mir.
So erlebte es auch Petrus. Es steht hier nicht da, wie die Predigt auf den
Fischer wirkte. Aber als Jesus mit dem Reden fertig war, hielt er Petrus eine
Spezialpredigt. Sie bestand aus nur einem Satz und der lautete: „Fahre hinaus,
wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Ein einfacher Satz mit einer
klaren Handlungsanweisung, die es aber in sich hatte. Diese Minipredigt für
Petrus ging nicht über seinen Kopf hinweg sondern traf genau den Kern seines
Problems: Er hatte nämlich die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Eine
Situation, die wohl alle von uns nachvollziehen können. Denn jeder von uns hat
sicher ähnliches erlebt. Es ist die Situation der Frustration, das Gefühl oder
die Erfahrung, das was man getan hat, hat keinen Sinn gehabt. Es war vergeblich.
Da lernt ein Schüler intensiv für eine Schulaufgabe oder Klausur und das
Ergebnis ist 5 plus. Und unten drunter steht: „Schade! Ein Punkt mehr und du
hättest die Vier gehabt!“ Da bemüht sich ein junger Mann um ein Mädchen, aber
sie will von ihm nichts wissen. Oder da zerbricht eine jahrelange Beziehung oder
gar Ehe und der Partner eröffnet einem: „Ich ziehe jetzt aus.“ Da bewirbt sich
jemand immer wieder um eine Arbeitsstelle, doch er bekommt jedes Mal als
Antwort: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen...“ Da leidet jemand unter einer
Krankheit. Er geht von Arzt zu Arzt. Der eine verschreibt dies, der andere das.
Aber nichts hilft richtig. Oder da ist jemand recht unscheinbar. Im
Kollegenkreis oder bei den Kameraden steht er immer irgendwie am Rande, wird
leicht übersehen oder überhaupt nicht wahrgenommen. Immer wieder hat er sich
vorgenommen: Beim nächsten mal tue ich auch einmal meinen Mund auf und gehe auf
andere zu. Aber er schafft es nicht. In solchen Situationen ist man sicher
enttäuscht von sich, von anderen, vom Leben.
In die Enttäuschung von Petrus hinein spricht nun Jesus: „Wirf dein Netz aus!“
Was dann geschah, wissen wir. Petrus macht den Fang seines Lebens. Er kann die
Menge der Fische fast gar nicht fassen, so viele sind es.
Schön für Petrus, ist man versucht zu sagen. Aber was heißt das, was er erlebt
hat, für mich? Heißt es: Bei der nächsten Schulaufgabe bekomme ich schon eine
bessere Note, die nächste Bewerbung ist erfolgreich, das nächste Mädchen, das
ich anspreche, wird meine Frau, das Medikament, das ich verschrieben bekomme,
macht mich gesund und ab morgen bin ich ein selbstbewusster Mensch, den nichts
mehr umhauen kann? Lass dich nicht hängen, sondern hänge dich rein. Irgendwann
wird es schon wieder. Ist das wahr?
Hindernisse sind dazu da, dass man sie überwindet, sagt man. Und Schwierigkeiten
sind im Grunde Gelegenheiten zu reifen, hört man. Krisen waren oft
Ausgangspunkte für Verbesserungen, meint man. Aber sind das nicht nur Tricks,
mit denen wir das Negative einfach positiv rosarot anstreichen, um damit umgehen
zu können?
In einem großen Hotel waren hochrangige Führungskräfte zu einem Seminar über
positives Denken zusammengekommen. In riesigen Buchstaben stand in der
Empfangshalle: „Es gibt keine Probleme, nur Chancen!“
Ein Manager kommt an die Rezeption und sagt: „Entschuldigen Sie bitte, ich habe
ein Problem!“ Der Empfangschef antwortet ganz freundlich: „Wir kennen keine
Probleme, mein Herr, nur Chancen!“ „Nennen Sie es, wie Sie wollen“, sagt der
Manager nicht ganz so freundlich, „aber in dem mir zugeteilten Zimmer befindet
sich eine Frau.“
Also, man kann nicht alle Probleme zu Chancen umfunktionieren. Das klappt nicht.
Man kann auch nicht sagen: Vertraue nur Jesus, Dann hast du keine Probleme mehr!
Es ist auch nicht so, dass du in deinen Schwierigkeiten eine Stimme von Jesus
hörst, die dir wie dem Petrus sagt: „Mach es so, dann wird dir geholfen werden!“
Du brauchst nicht auf so eine Stimme zu warten. Aber du kannst etwas anderes
tun.
Schreib Jesus nicht vor, wie er dir zu helfen hat. Sondern bitte ihn, dass er
dir zeigt, was du tun kannst. Ich bin mir sicher: Gott erhört dieses Gebet. Denn
du bittest ihn ja, ihm gehorsam zu sein.
Im Alten Testament wird uns eine merkwürdige Geschichte erzählt. Der junge
Salomo wird König. Nachts hat er einen Traum. Gott erscheint ihm und sagt ihm:
Du darfst dir etwas wünschen. Bitte nur darum!“ Salomo wünschte sich ein
gehorsames Herz. Diese Bitte gefiel Gott so gut, dass er sie erfüllte, und dass
er Salomo noch mehr gab, Reichtum, Erfolg und ein langes Leben.
Also, bitte Gott um das, was du tun kannst. Und dann warte auf seine Antwort.
Sie wird kommen. Wir haben einen Gott, der redet und nicht schweigt. Es kann ein
Wort in der Bibel sein, das dich persönlich anspricht, oder ein Satz in einer
Predigt. Du kannst auch zu einem erfahrenen Christen gehen, der dir einen guten
Ratschlag gibt. In einer bestimmten Situation wird dir auf einmal klar, wie du
zu handeln hast. Und dann gehorche auch. Auch wenn die Ratschläge anders sind,
wie du sie dir vorgestellt hast.
Petrus hätte wohl sich auch nicht träumen lassen, dass Jesus ihm befiehlt, am
helllichten Tag die Netze auszuwerfen. Das war verrückt und gegen jede
Fischer-Logik am See Genezareth. Fische fängt man in der Nacht und nicht in der
Mitte des Sees sondern am Ufer. „Wartet bis nächste Nacht und geht dann noch
einmal fischen!“ das hätte Petrus wohl eingeleuchtet. Wenn Jesus gesagt hätte:
„Legt euch nächste Nacht schlafen. Und wenn ihr morgen früh aufwacht, dann ist
euer Boot durch ein Wunder voller Fische.“ Dann hätte Petrus sicher große Augen
gemacht. Aber vielleicht hätte er so einen Satz lieber gehört als diesen: „Wirf
dein Netz aus!“ Denn dann wäre ja Jesus der Blamierte gewesen und nicht er.
Natürlich wäre so eine wunderbare Fischvermehrung auch möglich gewesen. Aber
Jesus wollte ein anderes Wunder tun. Ich meine jetzt nicht das Wunder des
Fischfangs, das Petrus erleben durfte, sondern das Wunder, das ein Mensch tut,
worum er ihn bittet.
Bei Petrus war dies wohl ein besonders großes Wunder. Denn er war er ja ein sehr
selbstbewusster Mensch, der von sich und seinem Tun überzeugt war. Seine
Bedenken spricht er ja auch offen aus. „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und
nichts gefangen“. Doch dann kommt dieser wunderbare Satz: „Aber auf dein Wort
will ich die Netze auswerfen.“
Mit diesen Worten zeigt Petrus, dass er glaubt. „Glauben“ heißt, dem Wort Jesu
zu vertrauen. „Glauben“ heißt: „Auf das Wort Jesu hin will ich es tun.“
„Glauben“ heißt: „Und wenn alle Fischerweisheit der Welt dagegen steht, alle
Verstandesargumente, alle guten Worte von Freunden, ich will trotzdem dem Wort
Jesu vertrauen und es tun.“
„Wirf deine Netze aus!“ Das sagt Jesus auch zu uns. Auch wenn wir keine Fischer
sind und keine Netze haben, dieses Wort gilt auch uns. „Wirf deine Netze aus!“
Wag es doch, im Alltag, dort wo du bist und stehst, dem Wort Jesu zu vertrauen!“
Und du wirst nicht der Blamierte sein. Sondern du wirst eher noch mehr von Jesus
bekommen, als du dir erträumt hast.
Ich denke an eine bestimmte Situation in meinem Leben. Nach dem Abitur studierte
ich Theologie. Dazu musste ich einen Hebräischkurs in Erlangen besuchen. Doch
dieser Kurs war schon voll. Ich stand auf einer Warteliste an 20. Stelle.
Eigentlich aussichtslos, in den Kurs hineinzukommen. Doch ich betete. Ein lieber
Freund riet mir: Fahr doch trotzdem nach Erlangen. Am Abend vor Kursbeginn wurde
mir klar: Du sollst nach Erlangen fahren. Gott will das so.
Ich tat es am nächsten Morgen, setzte mich in den Kurs hinein. Die Namen wurden
vorgelesen. Meiner war nicht dabei. Aber einer, der auf der Liste war, war nicht
da. Niemand von der Warteliste konnte verständigt werden. Aber ich war ja da und
konnte den Platz des Fehlenden einnehmen.
Ich blamierte mich also nicht sondern erlebte Wunderbares. Manch einer mag mein
Erlebnis als Zufall deuten. Aber es war keiner. Es war ein Eingreifen Gottes,
wie ich es immer wieder in meinem Leben erfahren habe.
So kannst du es auch erleben. Vertrauen wird belohnt. Wag doch einen kleinen
Schritt in die richtige Richtung! Frage Jesus in deiner Situation: Was soll ich
tun? Er wird dir antworten. Aber sei auch bereit, ihm zu gehorchen. Wieso sollte
er dann sonst mit dir reden?
Aufbruch zu neuen Ufern: Wir kennen solche Situationen ja aus der Geschichte.
Als Christoph Columbus mit der „Santa Maria“ nach Westen segelte, um den Seeweg
nach Indien zu finden, da brach er zu neuen Ufern auf, ohne es zu wissen. Er
entdeckte eine neue Welt. Auch Petrus brach zu neuen Ufern auf, als er Jesus in
sein Boot ließ. Was nun auf ihn zukam, das ahnte er nicht.
Ich meine nun nicht das Wunder mit den vielen Fischen. Sondern ich spreche von
dem Wunder, das nach dem wunderbaren Fischfang mit Petrus geschah. Er war danach
nicht mehr gleiche Mensch wie vorher. Ein neues Leben hat für ihn angefangen.
Und das war das Werk von Jesus.
Es ist wie mit dem Hochzeitsanzug, der nicht mehr passt. Nach einigen Ehejahren
lässt sich kein Stoff mehr rausholen. Von Größe 46 auf 56 geht nicht so einfach!
Da muss ein neuer her!
Aus einem Simon, der nur sich selbst vertraute und der selber sagte, was richtig
war, holt man nicht so leicht einen Petrus raus. Jesus hat ihn erst ganz neu
machen müssen.
Es ist ein Wunder, dass Petrus sich selbst erkennt. Er ist ein sündiger Mensch,
so kommt es ihm selbst über die Lippen. Wie kommt nur ein Mensch, der ja
wahrlich nicht unter Selbstzweifel litt, der eher vor Selbstbewusstsein
strotzte, auf so eine Erkenntnis? Niemand hat es ihm eingeredet. Er ist auch
nicht selbst draufgekommen. Sondern die entscheidende Erkenntnis kommt ihm durch
die Begegnung mit Jesus. Petrus spürt, dass dieser Mann mehr ist als ein
gewöhnlicher Mensch. Dieser Jesus versteht nicht nur etwas vom Fischen sondern
auch etwas vom Leben. Seine Worte haben Gewicht. Sie bewegen Menschenherzen und
auch die Fische dorthin, wo die Netze ausgeworfen werden. Von ihm geht etwas
Göttliches aus. Wer ist er, Petrus, gegen diesen Menschen? Einer, der nicht zu
diesem Jesus passt, eben ein Sünder.
Das nächste Wunder ist die Antwort Jesu. Sie lautet: „Fürchte dich nicht! Von
nun an wirst du Menschen fangen!“ Das heißt ja: „Hab keine Angst! Ich hab dich
lieb! Ich vergebe dir deine Sünden! Gerade dich kann ich gebrauchen! So wie du
mir ins Netz gegangen bist, sollst du für mich nun auch Menschen fangen.“
Diese Antwort hat das Leben von Petrus radikal verändert. Aus dem Fischer vom
See Genezareth wird der Apostel, der für Jesus Menschen fing. Allein 3000
Menschen sind durch seine Predigt an Pfingsten Jesus ins Netz gegangen. Sie
wurden Christen und ließen sich taufen.
Petrus war kein besonderer Mensch, kein Superman, kein Super-Apostel. Aber er
hatte einen besonderen Herrn und einen besonderen Auftrag. Deshalb konnte Jesus
ihn auch in besonderer Art und Weise gebrauchen.
Das gilt auch für dich. Wenn du an Jesus glaubst, hast du auch einen besonderen
Herrn. Und er kann dir auch besondere Aufträge geben und auch die Kraft, sie zu
erfüllen. Es ist nicht deine Aufgabe, dir darüber Gedanken zu machen, wie dies
geschehen soll. Deine Aufgabe ist nur, gehorsam zu sein, so zu sprechen wie
Petrus: „Auf dein Wort will ich es tun!“ Dann wirst du staunen, wie Gott auch
dein Leben segnen wird!
Amen