Liebe Gemeinde!
„Mir reicht’s! Mir langt’s! Mir ist alles egal!“ Wir kennen solche Sätze,
haben sie schon oft gehört oder selber gesagt oder wenigstens gedacht.
Solche Sätze sind Hilferufe. Sie kommen von einem Menschen, der tief unten ist,
aus verschiedensten Gründen. Ablehnung von Menschen kann
das Gefühl hervorrufen: Ich mag nicht mehr! Mir ist alles egal!
Ich denke an einen Jungen, der eines Tages erfährt, dass er abgetrieben werden
sollte. Es ist ein Schock für ihn. Kein Wunder, dass sich die
Gedanken bei ihm festsetzen: Ich bin nicht gewollt. Wen interessiert es, ob es
mich gibt oder nicht? Ist doch alles egal! Er macht keinen
Schulabschluss und nimmt Drogen.
Meist durch negative Erlebnisse oder auch anscheinend ohne äußeren Anlass leiden
sogar Kinder und Jugendliche unter Depressionen. Ein
16jähriges Mädchen war vor drei Jahren das letzte Mal so richtig glücklich. Wie
und wann sich die Depressionen in ihr Leben geschlichen haben,
kann sie nicht sagen. Sie hat oft den Wunsch, lieber tot als lebendig zu sein.
Andere fühlen sich überfordert. Es gibt viele Schüler, die sich hängen lassen,
weil sie im Unterricht nicht mehr mitkommen, aus Faulheit oder
mangelnder Begabung oder aus beiden Gründen. Was der Lehrer vorne erzählt,
scheint von einem Wesen von einem anderen Stern zu kommen,
das eine unverständliche Sprache spricht. Wozu sich dann noch anstrengen? Hat
doch eh keinen Wert mehr. Ist doch egal.
Ein anderer fühlt sich dem Druck im Berufsleben nicht mehr gewachsen. Die Arbeit
ist zuviel und eigentlich nicht zu schaffen. Man spricht vornehm
von „Arbeitsverdichtung“. Es bedeutet Mehrarbeit ohne Lohnausgleich bei
reduziertem Personal. Immer weniger müssen immer mehr für das
gleiche Gehalt schuften. So mancher hält dem Druck nicht mehr stand. Er kann
seine Arbeit nicht mehr bewältigen, Er wird krank, körperlich und
auch seelisch. Er ist ausgebrannt. „Burn out“.
Eine Krankheit kann einen zermürben. Sie dauert so lange. „Werde ich denn gar
nicht mehr gesund?“ So kann man sich fragen. Oder sie wird
chronisch oder gar unheilbar. Auf jeden Fall geht die Krankheit über die Kräfte.
Es ist einfach zuviel. Und der Gedanke schleicht sich ein: Vielleicht
wäre es besser, wenn alles vorbei wäre, möglichst schnell. Wieso lebe ich denn
überhaupt noch?
Überforderung kann zur Resignation und zu einem „Mir-ist-alles-egal-Gefühl“
führen. Unterforderung kann das Gleiche bewirken. Die Schule läuft
gut, auch mit relativ wenig Aufwand. Das „Hotel Mama“ bietet totalen
Verwöhnservice. Die drei Buchstaben PZA, „Papi zahlt alles“, garantieren
finanzielle Sorglosigkeit.
Das Berufsleben bietet keine Herausforderungen. Das Job ist sicher aber auch
öde. Die größte tägliche berufliche Herausforderung ist die richtige
Bedienung der Kaffeemaschine. Langeweile, so haben schlaue Leute herausgefunden,
ist auch ein großer Stressfaktor, führt zur Unzufriedenheit.
Das Leben scheint öde und sinnlos. Was soll’s? Es ist doch eh alles egal.
Auch Menschen der Bibel kannten dieses Gefühl der Sinnlosigkeit, auch Menschen
mit einem starken Glauben. Ich will die Geschichte eines solchen
Mannes vorlesen.
Wir finden sie in 1. Könige, Kapitel 19 Vers 1 bis 13.
Müde ist er, der Prophet Elia, lebensmüde sogar. Es reicht ihm. Er hat die Nase
gestrichen voll. Es ist ihm alles egal. Am liebsten würde er sterben.
Vor ein paar Tagen hat in seinem Leben alles noch ganz anders ausgesehen. Da
stand er auf dem Berg Karmel. Das Volk jubelte ihm zu. 450 Baals-
priester standen mit hängenden Schultern neben ihm. Denn sie hatten versagt. Ihr
Gott hatte nicht mit Feuer geantwortet. Aber Elias Gott schickte
auf sein Gebet hin Feuer vom Himmel und entzündete das Brandopfer auf dem Altar.
Und nun, nun würde alles ganz anders werden. Das ganze Volk
würde sich wieder von dem toten Götzen Baal zu dem lebendigen Gott bekehren.
Es kam auch alles ganz anders. Aber nicht so, wie es sich Elia erhofft hatte.
Die gottlose Königin Isebel schickte ihm eine Morddrohung. Da brach
bei Elia alles zusammen: Alles umsonst, die ganze Anstrengung, der ganze Einsatz
für Gott! Keine Bekehrung sondern nur Empörung. Keine glühende
Liebe zu Gott sondern nur wütender Hass. Mit dieser Reaktion hatte Elia nicht
gerechnet. Er flieht. Wie betäubt läuft er in die Wüste, legt sich unter
einen Strauch und will nur noch sterben. Aus und vorbei. So denkt Elia.
Aber Gott denkt anders. Wo Elia ans Aufgeben denkt, fängt bei Gott etwas Neues
an. Elia klagt: „Mir ist mein Schicksal egal.“ Aber Gott will ihm
klar machen: Mir bist du nicht egal!
Das Gleiche will Gott auch uns sagen: Mir bist du nicht egal! Du bist mir
ungeheuer wertvoll. Und du sollst auch für andere ungeheuer wertvoll sein.
Gott macht dem Elia keine Vorwürfe dafür, dass er nun zusammengeklappt und ganz
und gar verzagt ist. Sondern er tut dem Propheten lauter Gutes.
Er gönnt ihm eine göttliche Kur. Sie besteht aus vier Elementen. Erstens bekommt
Elia genügend Schlaf. Das gönnt dir Gott auch. Du darfst und sollst
dich ausschlafen. Wenn du bis in die Nacht arbeitest oder bis nach Mitternacht
vor dem Fernseher sitzt oder vor dem Bildschirm, dann brauchst du
dich nicht wundern, wenn dir irgendwann die Kräfte ausgehen.
Zweitens bekommt Elia genug zu Essen und zu Trinken. Essen und Trinken hält Leib
und Seele zusammen, weiß das Sprichwort und weiß auch die
Bibel. Achte auch du auf eine gute Ernährung, nicht zu viel, dann wirst du zu
dick, aber auch nicht zu wenig, aus einem verrückten Schlankheitswahn
heraus, und auch nicht unregelmäßig. Das schadet dir auch. Gönne dir in Ruhe
deine Mahlzeiten. Das wird dir gut tun.
Drittens verordnet Gott Elia Bewegung, und das nicht zu knapp. Er sollte sich
auf den Weg zum Berg Sinai machen. Bis Elia sein Ziel erreichte, war
er 40 Tage unterwegs.
Nun tut sicherlich nicht jedem unter uns so ein 40tägiger Marathonlauf gut. Wir
sind ja schließlich nicht Elia. Aber ausreichend Bewegung ist sicherlich
für die körperliche und seelische Gesundheit förderlich. Wer den ganzen Tag nur
auf dem Sofa liegt oder auf dem Fernsehsessel herumlümmelt, muss
sich nicht nur wundern, wenn da nicht nur ein gewisses Körperteil in der Mitte
immer umfangreicher wird, sondern wenn er auch immer schlapper und
müder und niedergeschlagener wird.
Zugegeben, das sind nun alles sehr weltliche Ratschläge, die für eine Predigt
sehr ungewöhnlich sind. Aber Gott will sicher auch, dass du für deinen
Körper gut sorgst. Das wird deinem seelischen Wohlbefinden auch gut tun und
vielleicht auch deiner Beziehung zu Gott.
Doch nun zum vierten und wichtigsten Bestandteil der göttlichen Kur für Elia.
Schlafen, Essen und Trinken und der verordnete Marsch waren für den
Propheten sicher wichtig aber doch gewissermaßen nur „erste Hilfe“. Nichts gegen
„erste Hilfe“. Sie ist manchmal lebensrettend. Doch wirkliche Hilfe
und Heilung kam für Elia vom Zuspruch Gottes. Elia ist nicht an seinen durch
Wasser und Zwieback geweckten Selbstheilungskräften und nicht durch
einen Heilschlaf wieder gesund geworden an seiner Seele. Er ist durch das Wort
und das Eingreifen Gottes gesund und heil geworden. Dadurch, dass
Gott ihn anspricht und mit ihm redet, sieht Elia wieder klar. Er merkt, dass er
Gott nicht egal ist. Und das Gleiche darf jeder von uns erfahren.
Elia muss ehrlicherweise sagen: Ich tauge nichts, ich bin ein Angsthase, ich bin
ein Versager. Und gerade ihm lässt Gott sagen: In meinen Augen sieht
das ganz anders aus. Du bist einer, der noch einen weiten Weg vor sich hat, mit
dem ich noch viel vorhabe, dem ich noch viel zutraue. Darum: Steh auf!
Da möchte ich jedem unter uns auch sagen: Steh auf! Genauer gesagt: Hör zu! Hör
gerade du zu, der du wie am Ende bist, der du ausgepowert und
ausgebrannt bist, der du wegen deines Versagens niedergeschlagen bist, der du
denkst: Mit mir kann Gott nichts oder nichts mehr anfangen.
Glaube mir: Gerade solche Leute kann er besonders gebrauchen. Die will und kann
er mit neuer Kraft erfüllen. Solange einer noch mit eigener Kraft
dasteht, ist dies fast unmöglich. Er ist ja selber stark, hat das Leben im
Griff. Er braucht ja keine Hilfe von Gott.
In eine volle Flasche kann man keine Flüssigkeit eingießen. Man kann es
probieren. Aber es läuft dann oben alles wieder raus. Nur eine leere Flasche
kann ich füllen. Genauso kann Gott nur mit einem, der von sich selber nichts
aber von Gott alles erwartet, etwas anfangen. Seine Kraft, so hat es der
Apostel Paulus erfahren, ist in den Schwachen mächtig.
Elia ist nun innerlich gesehen schwach. Er hält nicht mehr viel von sich. So ist
er in der Lage, das Reden Gottes ganz neu zu hören, auf eine Art und
Weise, wie er es wohl noch nie vernommen hatte.
Gott führt ihn in die Einsamkeit auf den Berg Sinai. Dort begegnet er dem Elia
in einer tiefen Art und Weise wie vorher nur einem Mose. Wenn Gott
mit dir reden soll, dann brauchst du auch Ruhe. Im Lärm eines Fußballstadions,
eines Fernsehers oder MP3-Players redet Gott gewöhnlich nicht mit
einem Menschen. Sondern er tut es, wenn du allein bist, ohne Geräuschkulisse,
oder wenn es um dich herum ruhig ist und vor allen Dingen, wenn es
in dir ruhig ist, wenn nicht alle möglichen Gedanken dir durch den Kopf wie
Vögel flattern und dich ablenken wollen – wie vielleicht manchen jetzt.
Gott redet mit Elia, ganz anders wie er es sich vorgestellt hat. Elia hört
zunächst einen starken Wind. Dann sah er ein Erdbeben und schließlich ein
Feuer. In diesen gewaltigen Naturerscheinungen war Gott nicht.
Wir Menschen sehnen uns oft nach großen Machterweisen Gottes, große Wunder,
Massen, die zum Glauben kommen. Aber Gott zieht oft das Un-
scheinbare vor. Er zeigt sich einem Menschen oft ganz unbemerkt.
Gott ist im sanften Wind. Er ist nicht der laute Gott, sondern der Gott der
leisen Töne, der Stille. Ein stilles, sanftes Sausen kam. Und jetzt merkt Elia:
Gott ist da.
Wörtlich übersetzt heißt es: Es kam die „Stimme des Schweigens.“ Das klingt
widersprüchlich. Wie kann man so einen Satz verstehen? Vielleicht so,
dass Gottes Reden in der Regel nicht äußerlich zu vernehmen ist. Du brauchst
keinen Lufthauch, um ihn zu hören. Es bedarf keiner Schallwellen, um
Gottes Reden wahrzunehmen. Gott redet mit dir in deinem Herzen. Gott ist der,
der dir zu Herzen geht.
Aus einer unbegreiflichen Liebe heraus hat sich Gott um Elia gekümmert. Der
Prophet ist aus Angst weggelaufen. Gott ging ihm nach. Elia wollte nur
noch sterben. Gott macht ihm neuen Mut zum Leben. Elia möchte seinen Auftrag als
Prophet hinwerfen. Doch Gott gibt ihm einen neuen Auftrag.
Aus einer unbegreiflichen Liebe heraus kümmert sich Gott auch um dich. Er geht
dir nach, gibt dir neuen Mut und Aufträge. Du brauchst nur zuzuhören
und zu glauben, was Gott dir sagt, auch jetzt in dieser Predigt. Es sind Worte,
die in der Bibel stehen, die auch dir gelten, die auch du glauben darfst,
Worte wie:
„Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen
gerufen. Du bist mein!“ Oder: „Ich tilge deine Missetaten wie eine Wolke
und deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich.“ Oder:
„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber. Lasset
euch versöhnen mit Gott.“ Oder: Jesus Christus spricht: „Kommt her zu mir alle,
die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Oder:
„Alle Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Alle diese Worte zeigen dir: Du bist Gott nicht egal. Ganz im Gegenteil. Er ist
leidenschaftlich daran interessiert, dass du ihm seine Liebe abnimmst und
ihm glaubst, dass er mit deinem Leben noch etwas vor hat, ob es nun noch lange
dauert oder vielleicht nur noch kurz bemessen ist. Es gibt für den, der
an Jesus glaubt, immer eine Zukunft, auch über den Tod hinaus in der Ewigkeit
Gottes.
Unaufhörlich, unablässig leidenschaftlich liebt dich Gott. Als größtes Zeichen
seiner Liebe, als Garantie seiner Liebe hat er am Kreuz seinen Sohn
sterben lassen. Die Strafe, die wir verdient hätten, liegt auf ihn, heißt es bei
Jesaja, damit wir Frieden haben können. „So sehr hat Gott. die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit alle, die an glauben, nicht
verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Seine Liebe hat ein Ziel: Du sollst nicht gleichgültig über sie hinweg gehen.
Sie soll dich nicht kalt lassen, dir egal sein. Sondern du sollst und darfst sie
annehmen, sie ebenso leidenschaftlich erwidern.
Was ist denn deine Leidenschaft? Sport, Musik, Beruf? Das sind alles menschliche
Leidenschaften, die wie ein Feuer heftig lodern können aber früher
oder später bleiben von ihnen nur Asche übrig. Ausgebrannt im beruflichen
Einsatz etwa, enttäuscht von so manchem Menschen, für den man begeistert
war.
Bei der Leidenschaft für Gott ist das anders. Du kannst von Gott auch enttäuscht
werden, sicher. Aber wenn du dich von ihm nicht abwendest, ihn nicht
loslässt, dann wirst du wieder erfahren, wie er dich liebt. Durch die
Enttäuschungen, die du mit Gott erfahren kannst, zerbricht nur ein falsches
Gottesbild.
Aber der wahre, dich trotzdem liebende Gott kommt dir wieder näher.
Es gibt auch ausgebrannte Christen, die die Liebe Gottes erfahren haben. Aber
ihr Christsein ist nur noch ein Häuflein Asche. Gottes Antwort auf diese
ausgebrannten Christen lautet nicht: : Wenn du so wenig Liebe zu mir hast, dann
kann ich dich aber nicht gebrauchen. Sondern er sagt: „Das zerstoßene
Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht
auslöschen.“ (Jes. 42,3)
Das heißt: Wenn du so ein ausgebrannter Christ bist, dass du nur noch ein
Fünkchen Glut in dir hast, dann komm doch endlich wieder ganz nah zu mir,
ganz nah an mein Herz und lass dich mit meiner Liebe füllen.
Du musst doch nicht selber Feuer machen, du musst dich doch nur mit den Flammen
meiner Liebe füllen lassen!
Hast du denn vergessen, dass ich deine Liebe bin?
Weißt du nicht mehr, mit welcher Liebe ich dich liebe?: Mit einer Liebe, die das
Böse nicht zurechnet. Mit einer Liebe, die nicht die Geduld verliert, mit
einer großen mütterlichen und väterlichen Liebe, die dich nicht überfordert. Ich
will dir doch alles wieder neu schenken, was du brauchst und was du
verloren hast. Aber komm doch endlich wieder zurück zu mir, zurück in meine
Arme, zurück in meine Nähe.“
Seine Liebe ist immer noch heiß und leidenschaftlich. Sie lässt dich nicht in
Ruhe. Sie lässt dich auch nicht so, wie du bist und will auch dich umgestalten
zu einen Menschen, der sich leidenschaftlich für ihn, seine Sache und seine
Mitmenschen einsetzt.
Amen