Liebe Gemeinde!
Es gibt unzählige Bilder und Vergleiche für das Leben. Der Komiker Hape
Kerkeling sang einmal: „Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die
Kandidaten.“ Doch Paulus schreibt hier: Das Leben ist kein Quiz, es ist kein
Spiel. Es ähnelt eher einem sportlichen Wettkampf.
Die eher Unsportlichen unter uns möchte ich jetzt beruhigen: Es kommt im Leben
nicht auf sportliche Spitzenleistungen an, auch wenn einem in der Regel es gut
tut, wenn ich mich körperlich ertüchtige. Paulus geht es um etwas anderes.
Der Apostel gebraucht hier ein Bild, das alle seine Leser verstanden. Die Stadt
Korinth war für die Isthmischen Spiele, die unseren olympischen Spielen
vergleichbar waren, weltberühmt. Es fanden mehrere Wettkämpfe statt wie Laufen
oder Boxen. Die Sieger bekamen einen Kranz aus Holunder später aus
Fichtenzweigen und natürlich Beifall, Ruhm, Ehre und auch Geschenke. Einmal bei
den Isthmischen Spielen gewinnen, war der Traum eines jeden Athleten. Aber dafür
musste man schon etwas tun. Man musste hart trainieren, oft jahrelang auf
manches Angenehme im Leben verzichten. Man musste beim entscheidenden Wettkampf
topfit und konzentriert sein und sich auch noch an die Wettkampfregeln halten,
um nicht disqualifiziert zu werden. Daran hat sich bis heute im Sport ja nichts
geändert.
Das ist wie gesagt ein Bild, das Paulus gebraucht. Er will damit sagen: Wer als
Christ leben will, muss sich auch an bestimmte Verhaltensmaßregeln halten, wenn
er am Ende seines Lebens zu den Siegern und nicht zu den Verlierern gehören
will.
Viele meinen heute: Am Ende unseres Lebens gehören wir alle zu den Verlierern.
Denn mit dem Tod sei alles aus. Aber das ist ein großer Irrtum. Ich verlasse
mich hinsichtlich der Frage, was nach dem Tode kommt, auf Jesus. Er ist von den
Toten auferstanden und somit ein Experte in Sachen ewiges Leben. Er war tot und
ist wieder lebendig geworden und hat uns nicht darüber im unklaren gelassen, wie
es nach dem Tod weitergeht. Es gibt nach seinen Aussagen entweder ewiges Leben
oder den ewigen Tod, Himmel oder Hölle.
Das Ziel eines Christen kann nur der Himmel, das ewige Zusammensein mit Jesus,
sein. Dagegen hat wohl keiner etwas einzuwenden. Denn dorthin, in den Himmel,
möchte sicher jeder hinein. Es gibt kein erstrebenswerteres Ziel. In Gottes
neuer Welt gibt es kein Leid, keine Schmerzen, keine Krankheit, keinen Tod,
keinen Hass und keinen Krieg, keine verschmutzte Umwelt und keine verhungerten
Kinder. Es kann nichts Wunderbareres geben, als in dieser Welt der absoluten
Schönheit, der Liebe, des Friedens und der Freude zu leben. Eine Goldmedaille
bei den Olympischen Spielen ist nichts dagegen. Es gibt auch kein wichtigeres
Ziel. Es hat Vorrang vor dem Beruf und vor der Familie, vor allen Hobbys, vor
Ruhm, Ehre und Geld. Wenn dieses Ziel mir wirklich wichtig geworden ist, dann
kann ich nicht sagen: Erst kommt alles andere und dann vielleicht Gott. Sondern
dann will ich alles daransetzen, dass ich in der Ewigkeit einmal mit dabei bin.
Bevor ich an einem Wettkampf teilnehme, muss ich mich erst einmal anmelden, bei
der Wettkampfleitung. Ich kann mich nicht einfach an die Startlinie hinstellen
und mitlaufen. Im Christsein ist es genauso. Christen sind wir nicht dadurch,
dass wir in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen sind. Christen sind wir
auch nicht dadurch, dass wir als Kinder getauft wurden. Christen sind wir erst,
wenn wir den Entschluss gefasst haben: „Ja, Herr Jesus, ich will bei dir
mitmachen. Ich will dir gehören. Ich will dir gehorchen. Ich will dir
nachfolgen. Ich will auch das ewige Leben haben, das du mir versprochen hast.“
Melde dich doch bei Jesus an, wenn du es noch nicht getan hast! Allerdings musst
du bereit sein, dir zunächst von ihm eine Niederlage beibringen zu lassen. Dir
muss klar werden, dass du das ewige Leben nicht durch deine frommen Leistungen
verdienen kannst. Jesus will dein Cheftrainer sein, aber nicht weil er gemerkt
hat, um welch wunderbares Talent es sich bei dir handelt. Ganz im Gegenteil. Er
will dich haben, weil er weiß, dass du überhaupt keine Siegereigenschaften hast,
dass du keine Chance hast, das große Ziel der Ewigkeit aus eigener Kraft zu
erreichen. Denn vor ihm bist du ein Sünder, ein Mensch der aufgrund seiner
Taten, seiner Worte und Gedanken nicht vor Gott bestehen kann. Deshalb will
Jesus dir seine Vergebung und seine Liebe schenken. Er will dir auch seine Kraft
geben, damit du einmal an das große Ziel der Ewigkeit gelangen kannst.
Und dann, wenn einer bei Jesus angefangen hat, geht es los, - hoffentlich! Wer
an der Startlinie stehen bleibt oder unterwegs schlapp macht, der kommt nicht
ans Ziel. Das ist allen Lebensbereichen so. Wer als Sportler Erfolge erzielen
will, der muss trainieren. Daran führt kein Weg vorbei. Wer als Klavierspieler
ein Virtuose sein möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als immer wieder
seine Fingerübungen und Etüden zu machen, - und wenn sie ihm zum Hals
heraushängen. Wer Freunde haben möchte, der muss Beziehungen eingehen und
pflegen. Das kostet Zeit. Auch im Christsein gilt das Sprichwort: „Ohne Fleiß
kein Preis!“ Wer ein Christ sein will und doch weiterhin nach dem Motto leben
will: „Ich lebe weiter so, wie ich es für richtig halte. Ich mache nur das, wozu
ich Lust habe“, der wird nicht an das Ziel der Ewigkeit kommen. Unmöglich.
Christsein hat, wie Paulus hier schreibt, etwas mit Enthaltsamkeit zu tun. Keine
Angst, diese Form von Askese hat nichts mit Schweinebraten oder Erdbeerkuchen zu
tun. Das alles darfst du weiterhin essen, - wenn es dir schmeckt.
Gott will nur, dass du das aufgibst, was dir nicht gut tut und dich kaputt
macht, weil es dich von ihm wegführt. Jesus verlangt von uns eine totale Absage
an die Sünde. Was ist nun Sünde? Manche Fromme verstehen unter Sünde in erster
Linie drei Punkte: Das Rauchen, das Sich Betrinken und Sex vor und außerhalb der
Ehe. Das sind Erscheinungsformen der Sünde. Aber Sünde ist etwas viel
Tiefergehendes. Das griechische Wort für Sünde „hamartia“, bedeutet
Zielverfehlung. Wir sündigen immer dann, wenn wir uns eigene Ziele stecken und
eigene Wege gehen. Sünde, das ist in erster Linie Dickköpfigkeit und Eigensinn,
die Meinung, alles besser zu wissen als die anderen und vor allen Dingen als
Gott. Die Sünde unseres Lebens besteht darin, dass wir eigentlich ganz gut auch
ohne Gott auskommen, dass wir nur unser Leben führen, ohne ihn zu fragen, ob
das, was wir tun, auch richtig ist. Gott will, dass wir die Sünde konsequent
ablegen, dass uns nichts wichtiger wird als sein Wille für unser Leben. Wer das
nicht will, der soll das Christsein lieber bleiben lassen.
Das klingt hart, ich weiß. Und man kann sich auch fragen: Wie schaff ich es nur,
mich nach dem Willen Gottes zu richten? Bin ich da nicht hoffnungslos
überfordert? Folgendes Bild kann uns da weiterhelfen: Man kann das Leben mit
einem Langstreckenlauf vergleichen. Doch bei diesem Lauf sind wir nicht alleine,
wie alle Spitzensportler. Sie haben einen guten Trainer, der den Trainingsplan
festlegt, der kritisch beobachtet, korrigiert und motiviert. Oftmals holt erst
ein guter Trainer aus einem begabten Sportler das heraus, was in ihm steckt.
Wir haben auch einen Trainer, der uns seine guten Anweisungen gibt. Das ist
Jesus. Es ist für unser Christsein entscheidend wichtig, seine Anweisungen zu
hören. Deshalb brauchen wir die Bibel, in der Jesus persönlich zu uns reden
kann. Deshalb brauchen wir auch Gottesdienste, in denen wir Gottes Wort hören
können, brauchen auch oftmals einen Mentor, einen Seelsorger, der uns gute
Ratschläge für ein persönlich abgestimmtes Trainingsprogramm geben kann. Wenn
ich großzügig auf diese Trainingselemente des Christseins verzichte, nicht in
der Bibel lese, keinen Gottesdienst besuche, nie einen Seelsorger um Rat bitte
oder um seine Fürbitte, muss ich mich nicht wundern, wenn ich unterwegs schlapp
mache und keine Lust mehr habe, den Langstreckenlauf des Glaubens
weiterzulaufen. Ich brauche mich auch nicht bei Gott zu beschweren, dass er mir
so ein schweres „Pensum“ zumutet. Unser Christsein wäre oftmals leichter, wenn
wir auf die guten Anweisungen unseres „Trainers“ besser hören würden.
Und noch etwas Wichtiges: Keiner muss alleine trainieren. Das Trainingsprogramm
Gottes ist zwar individuell auf uns abgestimmt. Aber Gott stellt uns immer auch
in eine Gruppe von Menschen, die wir das Ziel unseres Lebens, die Ewigkeit,
erreichen sollen. Das ist die Gemeinschaft der Glaubenden, von der das
Glaubensbekenntnis spricht. Andere Christen verfügen über einen anderen
Erfahrungsschatz wie wir selber. Wir können von ihren Erfahrungen, ihren Siegen
und auch Niederlagen, lernen. Sie können für uns beten. Oft nur, wenn wir uns in
einem Gottesdienst wie heute umschauen und sehen: „Wir sind nicht alleine. Es
gibt viele, die wie ich Christen sein wollen“, können wir neuen Mut für unseren
Glauben bekommen. Auch wenn andere „Trainingspartner“ ihre Eigenheiten, Macken
und Fehler haben, uns auch weh tun und verletzen können, schätze die
Gemeinschaft der Glaubenden nicht gering! Du hast ja auch deine Fehler! Und
andere brauchen auch dich, damit du ihnen weiterhelfen kannst. Gemeinsam
glauben, da kann Christsein richtig Freude machen. Es soll für uns keine Qual
sein, auch wenn es natürlich auch manchmal hart sein kann und wir uns auch
quälen müssen.
Gott will keinen frommen Krampf. Der kommt nur daher, wenn wir unser
Trainingsprogramm selber festlegen, ohne Absprache mit unserem Trainer Jesus,
und im Alleingang ohne andere Mitglaubenden. Dann kann ein frommes
Leistungsdenken einen beherrschen. Je mehr ich für Jesus tue, so meint man,
desto lieber hat er mich. Man meint, sich den Himmel durch fromme Leistungen
verdienen zu können wie jene Krankenschwester, die sagte: „Jede freiwillige
Nachtwache ist ein neuer Edelstein in meiner himmlischen Krone.“ Man schielt auf
Anerkennung bei anderen Christen und handelt nicht aus Liebe zu Jesus. Alles
frommer Krampf.
Der Kampf des Glaubens sieht anders aus. Du musst ihn nicht aus eigener Kraft
führen. Jesus hilft dir, er steht dir bei, er gibt dir schließlich den Sieg,
auch wenn du noch nichts davon siehst, auch wenn wir, wie es in einem Lied
heißt, wir noch tief im Kampfe stehen, oder wenn wir gar noch am Boden liegen.
Glaube mir: Für dich sind Siege bereit, keine Niederlagen. Überlass es nur
Jesus, wie er dich führt. Vielleicht noch durch viele, viele Niederlagen. Aber
sie sind nur ein Durchgangsstadium, vielleicht tiefe Täler, an deren Ende Licht
ist. Am Ende steht für dich Sieg bereit! Das glaube nur fest, auch wenn du es
bisher anders erlebt hast. Das verspricht er dir, jedem von uns. „Siehe, ich
mache alles neu“, hat Jesus einmal gesagt. Meinst du, Jesus lügt? Meinst du, er
steht nicht zu seinem Wort? Bestimmt nicht!
Auch für dich ist ein „Siegespreis“ bereit, wie Paulus hier schreibt. Bei
Sportwettbewerben bekommt nur einer so einen Preis, eine Medaille oder einen
Cup. Bei dem Lauf mit dem Ziel „Ewigkeit“ ist das anders.
Ein Ereignis bei den Olympischen Spielen 1972 in München kann uns da zum
Gleichnis werden. Es gab die erste Goldmedaille für Deutschland. Die strahlende
Siegerin stand zwischen ihren Rivalinnen auf dem Siegertreppchen, aber eine
Stufe höher als sie. Nur eine Stufe, aber dieser kleine Unterschied bedeutete
Sieg und Niederlage. Als die Nationalhymne angestimmt wurde, zog die Siegerin
ihre beiden Konkurrentinnen auf dem Silber- und Bronzetreppchen zu sich hinauf
auf das Goldtreppchen.
Kampf im Reich Gottes heißt: Es gibt nicht nur einen Sieger, sondern viele. Die
Goldmedaille hat eh nur einer verdient, das ist Christus. Doch er zieht uns auf
sein „Goldtreppchen“ hoch zu sich. Lass es nur zu, das heißt, glaube ihm, dass
er es tut!
Und denke immer wieder an das Ziel des Glaubens, vor allen Dingen dann, wenn es
schwer wird. Manchmal kommt einem der „Dauerlauf des Glaubens“ nicht wie eine
harmlose Joggingstrecke vor, sondern wie jener „Ultramarathon“ in Südafrika: Er
ist 90 Kilometer lang, 56 Kilometer bergauf, 25 bergab und ein paar Kilometer
flach. 10 Kilometer vor dem Ziel kommt ein 2 Kilometer langer Aufstieg, bis zu
14 Prozent Steigung. Nach 80 Kilometern, also 2 Marathonläufen. Was gibt einem
Läufer die Energie, nach einem derart anspruchsvollen Lauf so einen Berg zu
überwinden? Es ist nur das Wissen um das „Dahinter“. Hinter dem Berg ist das
Ziel nicht mehr weit. Nur dieser Gedanke mobilisiert seine letzten Reserven.
Ein Läufer aus Deutschland schaffte diesen „Berg der Leiden“. Unvergesslich für
ihn der Einlauf ins Ziel. Schon einen Kilometer vor dem Stadion, wo sich der
Zieleinlauf befindet, hört der Läufer die Massen jubeln. Es ist eine begeisterte
Menge, die jeden Läufer, der ins Stadion kommt, überschwänglich feiert. „Here is
Hans Heidelberger, Germany – well done!“ hört er den Stadionsprecher unter dem
Beifall tausender Zuschauer. Mit letzten Energien winkt er den Zuschauern zu und
verteilt ein paar Handküsse. So läuft er seine Ehrenrunde in diesem Stadion,
bevor er die Ziellinie überquert. „Noch heute“, so schreibt er, „spüre ich die
Gänsehaut, wenn ich an diesen mitreißenden Empfang denke.“
Jesus wird an der Ziellinie auch deines Lebens stehen. Du willst doch nicht
vorher aufgeben und diesen Augenblick verpassen wollen! Er wird dir den Schweiß
abwischen. Du wirst doch nicht sagen: Ich mag nicht mehr! Alle Mühen des Laufes
werden hinter dir liegen. Er wird dich herzlich begrüßen und zu dir sagen:
„Herzlich willkommen, gut gelaufen!“ Du wirst doch nicht denken: „Schön wär’s!
Das schaff ich eh nie!“? Sondern trau es Jesus zu! Gib nicht auf! Lauf, damit du
den Siegespreis, das ewige Leben empfängst!
Amen